Mit einer großen Jubiläumsfeier am Sonnabend begeht die Feuerwehr Kummerfeld ihr 125-jähriges Bestehen. Elf Wehrführer leiteten die Brandbekämpfer der Gemeinde, seit die Feuerwehr 1889 gegründet wurde.
Von Arne Kolarczyk

Kummerfeld. Es war der 2. Juni 1889, als die Kummerfelder Gemeindevertretung den damaligen Gemeindevorsteher Joh. Heinrich Rambke zum Hauptmann der neu zu gründenden Feuerwehr des Dorfes bestellte. Das ist 125 Jahre her – und für die heutigen Feuerwehrkameraden Grund genug, dieses Jubiläum kräftig zu feiern. Zehn Männer gelten als Brandschutz-Pioniere – heute sind es 56 aktive Mitglieder, die sich ehrenamtlich für die Sicherheit in der 950 Einwohner starken Gemeinde engagieren.

Die Gründung ging auf die preußische "Polizeiverordnung über das Feuerlöschwesen auf dem platten Land" zurück. Sie trat am 15. April 1889 in Kraft und verpflichtete die Gemeinden, eine Feuerwehr vorzuhalten. Nach seiner Bestellung als Feuerwehr-Hauptmann rief Rambke eine Versammlung ein, auf der ein Statut und eine Satzung für die Wehr erarbeitet wurden. Die Gemeindevertretung bewilligte der Feuerwehr 600 Mark.

Vermutlich wurde von diesem Geld eine pferdebespannte Handdruckspritze erworben, die am Spritzenhaus an der Dorfstraße eine Heimat fand. 1890 wurde ein hölzerner Turm zum Trocknen der Hanfschläuche auf dem Spritzenhaus errichtet. Das Statut, das auf der zweiten Generalversammlung am 7. Dezember 1889 angenommen wurde, verpflichtete die Männer des Ortes zu einer mindestens dreijährigen Mitgliedschaft. Es wurde später ein Spielmannszug gegründet und jährlich fanden Feuerwehrbälle im Vereinslokal "Hatjes Gasthof" statt.

Eine Zäsur in der Geschichte der Wehr stellten die beiden Weltkriege dar, in deren Verlauf viele verdiente Feuerwehrkameraden ums Leben kamen. 1945 bestimmte der britische Militärgouverneur Heinrich Harder

zum Wehrführer von Kummerfeld. Am 25. September 1949 fand das 60-jährige Stiftungsfest statt. 1955 erwarb die Gemeinde eine TS8 VW-Magirus Tragkraftspritze, für die extra ein neues Gerätehaus mit zwei Fahrzeugstellplätzen, dem Gemeindebüro und einer Privatwohnung errichtet werden musste. In der Folgezeit wurden die Einsatzfahrzeuge immer größer, so dass 1981 erneut ein neues Gerätehaus vonnöten war. Die Gemeinde erwarb eine alte Fertigungshalle am Bornbarg, die nach einem Umbau am 4. Oktober 1984 eingeweiht werden konnte.

Dort residiert noch heute die Feuerwehr. 2013 wurde die Wache für 860.000 Euro energetisch saniert und um einen Anbau erweitert. "Jetzt ist es uns möglich, alle Fahrzeuge und unser Material dort unterzubringen", sagt Marc-Oliver Peters. Er war 1981 Gründungsmitglied der Kummerfelder Jugendfeuerwehr und ist seit vergangenem Jahr der elfte Wehrführer in der 125-jährigen Geschichte der Ortsfeuerwehr.

"Wir sind voriges Jahr zu 46 Einsätzen ausgerückt, diese Zahl haben wir den beiden Stürmen Xaver und Christian zu verdanken", sagt Peters. In der Regel werde die Feuerwehr im Jahresdurchschnitt etwa 25 Mal alarmiert. Peters: "Es werden stetig mehr Einsätze, weil die Einwohnerzahl in der Gemeinde steigt und immer mehr Brandmeldeanlagen installiert werden."

Das letzte Großfeuer datiert aus dem Jahr 2001, damals hatte ein Kummerfelder sein Einfamilienhaus am Langenbargen in Brand gesetzt. Inzwischen werden die Brandschützer mit einer Vielzahl technischer Hilfseinsätze konfrontiert, insbesondere bei Unfällen auf der Kreisstraße 21, die in den Zuständigkeitsbereich der Wehr fällt.

Den Einsatzkräften stehen ein kleineres Löschgruppenfahrzeug vom Typ LF 10/6, ein größeres LF 16/12 sowie ein Einsatz- und ein Mannschaftstransportfahrzeug zur Verfügung. Zu den 56 aktiven Mitgliedern kommen 25 Jugendfeuerwehrleute, zehn Angehörige der Ehrenabteilung und 250 passive Mitglieder hinzu. Seit 2005 gibt es auch einen Förderverein, der laut Satzung die Orts- und die Jugendfeuerwehr finanziell unterstützen soll.

Und was 1889 noch völlig undenkbar war, ist 2014 in der Kummerfelder Wehr längst Normalität: Frauen in der Wehr. 1985 wurde das erste Mädchen in der Jugendfeuerwehr aufgenommen und 2001 in die aktive Wehr übernommen. Heute gehören sieben Frauen der aktiven Wehr an, sechs Mädchen leisten in der Jugendfeuerwehr Dienst.

"Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Kommunalpolitikern ist sehr gut", sagt Peters, der früher auch selbst auf Ortsebene politisch tätig war. Viele Kommunalpolitiker sind auch unter den Gästen des Festaktes, der am Sonnabend die Feierlichkeiten einläutet, jedoch nur für geladene Gäste gedacht ist. Im Anschluss kann auch die Öffentlichkeit beim Tag der offenen Tür – Programm siehe Info-Kasten – beim Jubiläum der Feuerwehr mitfeiern.

Quelle: Hamburger Abendblatt